Lachgassedierung hilft Patienten mit Zahnarztangst

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Angst ist ein Gefühl, das den menschlichen Körper vor Schaden bewahren und sein Überleben sichern soll. So sinnvoll manche Ängste im normalen Leben auch sind, hindern sie Zahnarztpatienten jedoch daran, sich problemlos der oft dringend notwendigen Behandlung zu unterziehen. Der Patient weiß zwar, dass seine Ängste unbegründet sind, kann sie aber nur schwer kontrollieren. Ein spezielles Sedierungsverfahren hilft, ihn dennoch optimal ärztlich zu versorgen.

Was ist Lachgas und wie wirkt es?

Als Lachgas (Distickstoffmonoxid) bezeichnet man ein süßlich schmeckendes farbloses Gas mit der chemischen Summenformel N2O. Das entspannende, beruhigende und schmerzstillende Gas wurde erstmals im Jahr 1844 bei der Behandlung eines Zahnarztpatienten eingesetzt. Vor Ihrer Behandlung erhalten Sie eine Nasenmaske, deren Duftrichtung Sie selbst wählen können und die mit einem Schlauchsystem sicher befestigt wird. Über diese atmen Sie zuerst reinen Sauerstoff und etwa zwei Minuten später ein Sauerstoff-Lachgas-Gemisch ein. Dabei wird die Lachgaskonzentration schrittweise so lange erhöht, bis die beabsichtigte Wirkung eintritt. In der Zahnmedizin sind Lachgaskonzentrationen von 20 bis 50 % (Erwachsene) üblich. Während der Erhöhung des Lachgasanteils werden Ihre Vitalfunktionen regelmäßig überwacht: Das Praxisteam kontrolliert Ihre Atemfrequenz und Herz-Kreislauffunktion. Dasselbe gilt für die Sauerstoffzufuhr und Sedierungstiefe.

Lachgassedierung hilft Patienten mit Zahnarztangst

Da das völlig ungefährliche Gas die Funktion des zentralen Nervensystems für die Dauer der Behandlung herabsetzt, stellt sich schon bald ein Gefühl angenehmer Wärme, Entspannung und Schläfrigkeit ein. Zuvor bestehende Ängste vor Spritzen und schmerzhaften Eingriffen gehen vorüber. Da das schmerzlindernde Mittel das subjektive Zeitempfinden beeinflusst, haben Sie den Eindruck, dass Ihre Zahnbehandlung schneller abläuft. So werden sogar längere Sitzungen als angenehm empfunden. Eine 20-prozentige Lachgassedierung hat eine ähnlich starke schmerzhemmende Wirkung wie 15 mg subkutan injiziertes Morphin. Ihre angstlösenden Eigenschaften entsprechen denen des verschreibungspflichtigen Beruhigungsmittels Diazepam.

Da Sie noch zusätzlich eine lokale Betäubung erhalten, wird der Behandlungsbereich schon bald unempfindlich. Der üblicherweise auftretende starke Würge- und Schluckreflex wird deutlich abgeschwächt, weil das Gas die Sensibilität der oberen Luftwege und daher auch der Mundhöhle verringert. Obwohl Sie keine Schmerzen mehr verspüren, bleiben Sie die ganze Zeit über ansprechbar. Daher eignet sich die Lachgassedierung sogar für komplexere zahnärztliche Eingriffe, die mehrere Stunden andauern.

Gegen Ende der Sitzung erhalten Sie drei Minuten lang konzentrierten Sauerstoff, sodass Sie nach spätestens einer halben Stunde die Praxis ohne Begleitung wieder verlassen und sogar Auto fahren können. Nach dieser Ausleitung ruhen Sie sich 15 bis 30 Minuten lang unter Aufsicht eines Teammitglieds im Warteraum aus. Auch wenn Komplikationen nach der Lachgasinhalation äußerst selten vorkommen, muss der behandelnde Zahnarzt stets in Reichweite sein. Da das Mittel unverändert über die Haut und Lunge wieder ausgeschieden wird und keine Nachwirkungen verursacht, können Sie sich anschließend wieder Ihren gewohnten Alltagsaktivitäten zuwenden.

Die Lachgasinhalation ist eine in der Praxis bewährte Methode, Patienten mit einer leichten bis mittelschweren Zahnarztphobie zu behandeln. Die Anwendung des angstlösenden Gases ist hundertprozentig sicher, weil die Zufuhr individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt wird. Durch die schrittweise Erhöhung des Lachgasanteils im Sauerstoff lässt sich eine potenziell gefährliche Überdosierung vermeiden. Übrigens: Bei Kindern wird das Gas mit einer Anfangskonzentration von 50 % eingeleitet, weil Kinder auf N2O weniger empfindlich reagieren als Erwachsene. Mit dieser hohen Konzentration beruhigen sich sogar sehr nervöse kleine Patienten schnell. Unterstützende Maßnahmen wie beispielsweise die besänftigende Ansprache und der zusätzliche Einsatz suggestiver Techniken können sich ebenfalls positiv auf die Behandlungsfähigkeit kindlicher und erwachsener Patienten auswirken.

Gibt es bei N2O Gegenanzeigen?

Lachgasinhalationen sind für die meisten Patienten unschädlich. Das gilt für ältere Menschen und Kinder gleichermaßen. Außerdem darf die ungefährliche zahnmedizinische Sedierung bei Personen mit leichten systemischen Erkrankungen zur Angstlösung eingesetzt werden, vorausgesetzt, sie sind medikamentös gut eingestellt. Damit die gewünschte Wirkung eintritt, muss der Patient allerdings ausreichend kommunikations- und kooperationsfähig sein. Dies ist jedoch bei sehr jungen Kindern sowie geistig behinderten, schwer psychiatrisch erkrankten und dementen Patienten in der Regel nicht der Fall.

Nicht angewendet werden darf die Lachgasinhalation bei schwangeren Frauen, bei Personen, die sich vor Kurzem einer speziellen Augenoperation mit intraokularem Gas (Vitrektomie) unterzogen haben und Patienten mit Pneumothorax, Darmverschluss und Mittelohrentzündung. Darüber hinaus kann das zentral sedierende Gas von Personen mit verlegten nasalen Atemwegen und starken Gesichtsdeformitäten nicht eingeatmet werden. Bei Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung besteht die Gefahr eines Atemstillstands, weil die obligatorische hohe Sauerstoffkonzentration ihren Atemantrieb herabsetzen kann.

Lachgassedierung hilft Patienten mit Zahnarztangst

Vorteile der Lachgasanwendung

Das beliebte Sedierungsverfahren

– lässt sich unkompliziert und ohne Anästhesisten anwenden

– ist dank moderner Geräte gut dosierbar

– wird während der gesamten Sitzung optimal auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt

– erfordert wegen der kompakten Bauweise der Geräte keinen Umbau der zahnärztlichen Praxis

– macht eine zusätzliche Absauganlage überflüssig, weil die vorhandene genutzt werden kann

– kontaminiert die Raumluft wegen der hohen Dichtigkeit moderner Nasenmasken nur geringfügig

– spart Zeit, weil die Wirkung schnell einsetzt und nach Behandlungsende rasch nachlässt

– lässt sich ohne Probleme in den laufenden Praxisbetrieb integrieren

– hat im Unterschied zur Vollnarkose keine Risiken für Sie als Patienten

– hinterlässt keine chemischen Rückstände in Ihrem Körper, weil das N2O innerhalb einer Viertelstunde ausgeschieden wird

– lässt nach der Ausleitung die Nutzung des eigenen Pkws zu

– ermöglicht die Durchführung komplexer mehrstündiger Behandlungen, die normalerweise auf mehrere Sitzungen verteilt werden

– ist nahezu ausnahmslos für alle Zahnarztpatienten geeignet

– wird von vielen Patienten als angenehmer und wirksamer als die Vollnarkose empfunden

– hebt die Zahnarztpraxis aus der Masse der Mitanbieter heraus (Marketingvorteil!)

– macht die Arbeit der Zahnarztpraxis effizienter, weil Störungen des Praxisbetriebs entfallen

Welche Voraussetzungen benötigt der Zahnarzt für die Anwendung von Lachgas?

Das seit Langem in vielen europäischen und US-amerikanischen Zahnarztpraxen verwendete leichte Sedierungsmittel setzt beim Zahnarzt und seinem Praxisteam eine umfassende zahnmedizinische Ausbildung voraus. Er erwirbt das Wissen über die Betäubungsmethode und ihre praktische Anwendung in einer mindestens zweitägigen Fortbildung. Diese wird üblicherweise von Fachärzten für Anästhesiologie durchgeführt und hat standardisierte medizinische Inhalte. Die Teilnahme an dieser zahnärztlichen Fortbildung ist nach geltenden internationalen und deutschen Richtlinien Pflicht. Das Praxispersonal sollte die Veranstaltung ebenfalls besuchen. Um das älteste aller zahnmedizinischen Sedierungsverfahren später anwenden zu können, benötigt der Zahnarzt eine besondere Zulassung.

Bei welchen zahnärztlichen Behandlungen wird das beruhigende Gas eingesetzt?

Das entspannende Inhalationsverfahren kommt bei sämtlichen für den Patienten seelisch belastenden und anstrengenden dentalen Eingriffen zum Einsatz. Egal ob Sie sich moderne Zahnimplantate in den Kieferknochen einsetzen oder eine Prothese anfertigen lassen möchten, die Inhalation von N2O verringert Ihre Nervosität und dämpft Ihre Angstgefühle. Muss der Zahnarzt zur Herstellung Ihrer Teilprothese einen Abdruck machen, verhindert die Lachgasmaske das in dieser Situation häufig vorkommende Auftreten des Würgereflexes. Der Zahnmediziner und sein Team können die Behandlung ohne Störung des Praxisbetriebs und Zwangspausen durchführen. Sogar die für viele Patienten belastenden 8er-Extraktionen lassen sich unter Einsatz des entspannenden Gases problemlos vornehmen. Als 8er-Extraktion bezeichnet der Zahnmediziner das Ziehen von Weisheitszähnen. Diese bereiten oft Schwierigkeiten, weil sie schief aus dem Kieferknochen herauswachsen. Manche der falsch positionierten Weisheitszähne verbleiben sogar im Kiefer oder stehen darin schräg. Befinden sie sich sehr nahe am Nervus alveolaris inferior (Nerv der Unterkiefer-Zahnfächer), ist ihre Extraktion für den Patienten mit sehr starken Schmerzen verbunden.

Lassen Sie regelmäßig professionelle Zahnreinigungen durchführen, kann die Lachgasinhalation ebenfalls sinnvoll sein. Auch wenn diese gründliche Zahnreinigung bei Ihnen Ängste auslöst, sollten Sie auf keinen Fall auf die Prophylaxe von Zahnerkrankungen verzichten. Wir helfen Ihnen gern dabei, sie so angenehm wie möglich zu gestalten!

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